Saarbrücken: Mahnmal "Nachhall"
Die Landeshauptstadt Saarbrücken schuf 2024 mit dem Mahnmal „Nachhall“ auf Initiative des Landesverbandes der Deutschen Sinti und Roma Saarland e.V. im Echelmeyer-Park im Stadtteil St. Johann einen künstlerisch gestalteten Ort zum Gedenken an die Verfolgung und Ermordung der im früheren Saargebiet bis 1935 lebenden Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Das Mahnmal steht in der Mitte eines kreisförmigen Platzes. Drei halbrund geformte, unterschiedlich große Bronzeblöcke umgeben eine leere Mitte. Der Entwurf der Saarbrücker Klangkünstlerin Frauke Eckhardt symbolisiert mit der eingefassten Leerstelle den erlittenen Verlust eines geliebten Familienangehörigen, seiner Stimme und zugleich der gemeinsam gelebten kulturellen Identität als Minderheit. Das Zentrum des Mahnmals markiert ein interaktives Element. So sind im Bodenbelag QR-Codes eingelassen. Sie können mit einem Smartphon gescannt werden. Auf diese Weise öffnet sich ein Klangraum, in dem sich Geigentöne mit den Klängen der städtischen Umgebung und der Natur verbinden.
Das Mahnmal steht in unmittelbarer Nähe der katholischen Kirche St. Michael. Dort war Pfarrer Arnold Fortuin (1900-1970) von 1927 bis 1933 als Kaplan tätig. Dieser erlangte später bundesweite Bekanntheit als Seelsorger der Sinti und Roma. Er betreute in seiner Saarbrücker Gemeinde Sinti- und Roma-Familien und gründete 1932 gemeinsam mit einem Freund, dem Sinto Franz Lehmann Kimeling, für dessen Kinder im Pfarrhaus eine geheime Schule. Durch die so entstandenen Kontakte wandten sich hilfesuchend weitere, während der Zeit des Nationalsozialismus bedrohte Sinti und Roma an ihn. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich für deren Entschädigung ein. Die Deutsche Bischofskonferenz berief ihn zum Nationaldirektor der „Katholischen Seelsorge für Roma, Sinti und verwandten Gruppen“ in den Jahren von 1965 bis 1970.
2024 Saarbrücken Einweihung Mahnmal. Foto: LV Deutscher Sinti und Roma des Saarlandes.
© LV Deutscher Sinti und Roma Saarland
2024 Saarbrücken QR- Codes am Mahnmal "Nachhall". Foto: LV Deutscher Sinti und Roma des Saarlandes
© LV Deutscher Sinti und Roma des Saarlandes
Adresse
Echelmeyerpark Schumannstraße 66111 SaarbrückenAnfahrt
Das Mahnmal ist über die Richard-Wagner-Straße über die Rotenberg-Treppe, die Schumann und von Norden über die Brauerstraße zu erreichen. Die nächstgelegene Bushaltestelle ist "Deutsche Rentenversicherung"
Praktische Hinweise
- Freier Eintritt
- Frei zugänglich
- Open-air/Freiluftangebot
- Einzelbesucher
- Gruppen
- Anbindung an den ÖPNV
- Barrierefrei
Wiederkehrende Termine
- Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma
Weiterführende Links
- Internetauftritt der Klangkünstlerin Frauke Eckhardt
Die Saarbrücker Klangkünstlerin Frauke Eckhardt entwarf das Mahnmal "Nachhall" und erläutert ihr Konzept auf ihrer Internetseite. - Internetauftritt der Pfarrei St. Johann und der Kirche St. Michael
Der Saarbrücker Ort des Gedenkens befindet sich in unmittelbarer Nähe zur katholischen Kirche St. Michael, wo Pfarrer Arnold Fortuin von 1927 bis 1933 als Kaplan wirkte. Er erlangte später bundesweite Bekanntheit als Seelsorger der Sinti und Roma. - Informationen zu Pfarrer Arnold Fortuin
Über die Bedeutung von Pfarrer Fortuin als Unterstützer der Sinti und Roma während der Zeit des Nationalsozialismus. - Die Geschichte der Sinti-Wallfahrt in Illingen
Arnold Fortuin und Sinti-Wallfahrt in Illingen - Internetauftritt zu Pfarrer Arnold Fortuin
Über Arnold Fortuin und das Arnold-Fortuin-Haus - Lebendiges Museum Online: Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus
Online-Beitrag des Deutschen Historischen Museum über die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus - Bayerischer Rundfunk-Themenportal Geschichte
Beitrag von Ernst Eisenbichler, Bayerischer Rundfunk zur Geschichte der Sinti und Roma - Online-Portal zum Völkermord an den Sinti und Roma
Online-Portal zum Völkermord an den Sinti und Roma - Bundeszentrale für politische Bildung: Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma
Europäischer Holocaustgedenktag für Sinti und Roma am 2. August - Informationen rund um den Echelmeyer-Park in Saarbrücken
Echelmeyer-Park und das Mahnmal „Nachhall“ - Instagram-Auftritt des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Saarland
Instagram-Auftritt des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Saarland
Videos
- N.N.: Gedenkrede der Bundesratspräsidentin und Ministerpräsidentin des Saarlandes, Anke Rehlinger vor dem Bundesrat 2024
Gedenkrede der Bundesratspräsidentin und Ministerpräsidentin des Saarlandes, Anke Rehlinger zur Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland unter Erwähnung des Denkmals „Nachhall“ in Saarbrücken und des Einsatzes von Pfarrer Arnold Fortuin für Sinti und Roma.
Audios
- Sarah Sassou: Podcast "Religion und Welt", SRkultur: Einweihung des Mahnmals "Nachhall" in Saarbrücken
Interview für den Podcast "Religion und Welt "aus Anlass der Einweihung des Mahnmals „Nachhall“ am 23.11.1924 auf SRkultur mit der Vorsitzenden des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Saarland, Diana Bastian.
- Carolin Dylla/Michael Schneider: Man bleibt doch, was man ist. Sinti und Roma an der Saar
„Man bleibt doch was man ist“: Sinti und Roma an der Saar. Feature vom 04.02.2018 im Podcast "Land & Leute" auf SR3 Saarlandwelle
Publikationen
- Franz Josef Schäfer: Arnold Fortuin
Publikation über den Pfarrer Arnold Fortuin und seine Bedeutung für die Rettung von im Nationalsozialismus verfolgten Sinti und Roma sowie nach 1945. Zudem beschäftigt sich das Buch mit Verfolgung der Sinti und Roma im Saarland. Saarbrücken 2022.
E-Books
- Netzwerk für Demorkatie und Courage (NDC) e.V. Saar: Lass uns reden über Antiziganismus
Ein Jugendforum zur Auseinandersetzung mit einem verbreiteten Phänomen.
- Jan Opiélka, Ulrike Peters, Felicitas Schlösser: Roma und Sinti.
Unter uns und doch anders. Ein Ausstellungsbegleiter. Katholische Seelsorge für Sinti, Roma und verwandte Gruppen herausgegeben von der Deutschen Bischofskonferenz. Bonn 2022